Von GIna

Lebensdurst

Eine folgenreiche Begegnung

Was war denn das? Da hat mich gestern aber jemand kalt erwischt. Und das in dieser Hitze… Ich
bin noch immer ganz durcheinander und weiß nicht, was ich von alldem halten soll…
Ich war wie so oft um Mittag rum zum Brunnen gegangen, um möglichst niemandem zu
begegnen, und dann sitzt da dieser Mann… Als ich noch überlegte, ob ich mich schnell verdrücken
könnte, da hatte er mich schon gesehen.
Als ich zögernd näher kam, dachte ich, ich höre nicht recht, denn der Fremde fragte mich doch
tatsächlich, ob ich ihm ein wenig Wasser aus dem Brunnen schöpfen könne. Scheinbar hatte er
Durst und kein Schöpfgefäß dabei. Bereits aus einiger Entfernung hatte ich erkannt, dass dieser
Mann keiner von uns war. Auch sein Dialekt verriet mir nun, dass er ein Jude aus Galiläa sein
musste. Unfassbar, dass so einer sich überhaupt dazu herabließ, an eine wie mich das Wort zu
richten. Die paar Juden, denen ich bisher begegnet war, hatten die Straßenseite gewechselt, um
mir bloß nicht zu nahe zu kommen. Sie hielten sich normalerweise für was Besseres, uns
Samaritern kulturell überlegen. Dazu kam noch, dass ein Mann eigentlich nie eine Frau einfach so
ansprach, egal, ob Jude oder Samariter. Und, um ehrlich zu sein, würde auch aus meinem
eigenen Volk kaum jemand mit mir zu tun haben wollen… Man kennt mich in Sychar als eine Frau,
die es mit der Treue nicht so genau nimmt und schon mit einigen Männern zusammengelebt hat.
Aber dieser Mann da am Brunnen – woher wusste der über mich Bescheid? Es war, als ob er in
meine Seele schauen könnte, als ob er um meinen unstillbaren Durst nach Leben wüsste, der
mich immer wieder an die falschen Männer geraten ließ.
Noch bevor ich Wasser aus dem Brunnen hinauf haspeln konnte, hatte sich ein seltsames,
tiefgründiges Gespräch entsponnen. Ich merkte schon bald, dass es ihm gar nicht um das Wasser
aus dem Brunnen ging. Er sprach von „lebendigem Wasser“ und von „ewigem Leben“, das er mir
geben könne. Aber die Krönung kam erst noch, als er von sich behauptete, der von den Juden
sehnlichst erwartete Messias zu sein, der von Gott gesandte Retter! Mir kam das nach allem, was
ich erlebt hatte, gar nicht mehr so unwahrscheinlich vor und deshalb musste ich das einfach allen
im Ort weiter erzählen. Aber nie hätte ich erwartet, dass das solche Kreise ziehen würde! Nun ist
die ganze Stadt in Aufruhr, denn dieser Jesus von Nazareth, wie er sich nennt, ist nun schon den
zweiten Tag hier in Sychar zu Gast! Und überall hört man, dass er wahrhaftig der Retter der Welt
ist! Das kann doch nur bedeuten, dass Gott sich auch für uns Samariter interessiert!
Und ja, vielleicht gibt es auch für mich noch Hoffnung, etwas zu finden, das meine Sehnsucht
stillt… Ich muss unbedingt noch einmal mit ihm reden, solange er noch in der Stadt ist!

Für alle Lebensdurstigen, egal aus welchem Hintergrund: Diese Geschichte ist nachzulesen im
Johannesevangelium, Kapitel 4, Verse 1-42

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