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Fahrscheinkontrolle

"Das Ticket ist ungültig!" entgegnet mir der Kontrolleur in einem barschen Ton. Ungläubig schaue ich auf meinen Fahrschein, den ich nur wenige Stationen zuvor gelöst hatte. Ich erfahre, dass ich ein falsches Ticket gelöst habe, das für die von mir genutzte Straßenbahnstrecke nicht gültig ist. Noch immer perplex versuche ich zu erklären, dass hier ein Versehen vorliege, dass ich schon öfter genau dieses Ticket gelöst habe und diese Regelung mir bis eben unbekannt war. Doch der Kontrolleur bleibt unnachgiebig: "Geben Sie mir Ihren Personalausweis." Wie jetzt? Ich soll 60 Euro bezahlen für ein Versehen? Dabei war ich doch ehrlich und habe einen Fahrschein gekauft. Doch alle Erklärungsversuche und jede Rechtfertigung nützen nichts. Es gebe Regeln und diese müssten von allen eingehalten werden, so die strenge Antwort des Ordnungshüters.

In meinem Kopf rotiert es. Oh Mann, ich habe das Geld echt nicht übrig, durchfährt es mich. Erst letztens musste ich für ein teures Malheur aufkommen und nun dies! Und dann - oh nein, wie peinlich! - merke ich, wie mir deswegen Tränen in die Augen steigen! Doch nicht hier! Aber es lässt sich nicht verhindern. Irritiert schaut mich der Kontrolleur an. "Es tut mir leid", stammle ich, "ich ärgere mich gerade unglaublich über mich selbst, dass ich eine Strafe bezahlen soll, weil ich die Hinweise am Automaten nicht richtig gelesen habe. "Auf einmal verändert sich der harte Blick des Kontrolleurs und freundlich antwortet er mir: "Oh weh, es tut Ihnen ja wirklich leid. Dann will ich nochmal nachsichtig sein", sagt er plötzlich. Er gibt mir meinen Ausweis wieder und lässt mich gehen. Auf Unglauben und Überraschung folgen Freude und Erleichterung!

Und im Gehen fällt mir ein, dass es schon einmal so eine Situation in meinem Leben gab, die genauso ausging. Es war an dem Tag, an dem ich Jesus gegenüber ehrlich wurde. An dem ich ihm sagte, dass es mir leid tut, dass ich egoistisch und rücksichtslos durch mein Leben gehe. Es war der Tag, an dem ich alle Rechtfertigungen beendete und ihm und mir gegenüber einsah, dass es nicht in Ordnung ist, bestimmte Dinge zu tun, weil alle sie tun, weil es keine andere Möglichkeit gibt oder weil ich die Gesetze nicht kannte. Es war der Tag, an dem Gott mir gegenüber Gnade walten lies, vom Richter zum Retter wurde, meine Schuld vergab und mich in die Freiheit entließ.